Ein ganzes Jahr für die jungen Talente – Der Weg in die JBBL

Auslöser für den langfristigen Neuanfang – die misslungene Qualifikation 2011

Juni 2011, Heinz-Kerz-Halle Nieder-Olm. Eine erst wenige Wochen zuvor zusammen-gestellte junge und hochmotivierte Mannschaft mit Spielern der Jahrgänge 1996/97 aus Nieder-Olm, Mainz und Umgebung sowie Wiesbaden kämpft als SG RheinHessen in einem Dreierturnier um einen der wenigen Startplätze in der höchsten Jugend-Basketball-Liga (JBBL). Alle Hoffnungen ruhen dabei auf dem ersten Spiel gegen die Arzbach Towers. 40 Spielminuten später betretene und fassungslose Gesichter, Tränen, Enttäuschung, Verzweiflung. Das um Trierer JBBL-Spieler verstärkte Team aus dem Westerwald hatte gegen aufopferungsvoll kämpfende Rheinhessen aufgrund der größerer Routine gewonnen…Vorerst aus der Traum „Jugend-Bundesliga“…

Wochen später dann der Neuanfang. Die Vereinsverantwortlichen beschließen die Kooperation fortzusetzen und das Projekt „JBBL 2012“ zu starten.
Für Coach Simon Bauer sind dabei zwei wichtige Maßnahmen die Eckpfeiler:

Gestartet in der B-Klasse mit voller Ausrichtung auf die Qualifikation im Juni 2012

Der Kern der Mannschaft bleibt zusammen und startet mit Sonderspielgenehmigung in der B-Klasse Herren Rheinhessen. Aufgrund der Teilnahme an den Wettbewerben der Heimmannschaften reduziert sich das Training der SG RheinHessen zwar zunächst auf eine Einheit pro Woche, dennoch bricht das Team nicht auseinander. Gegen die weitaus älteren und erfahrenen Teams in der B-Klasse gibt das Team eine gute Figur ab, sucht die Herausforderung und kann sogar 4 Siege verbuchen.

Neben der Teilnahme an einer gemeinsamen Spielrunde ist besonders die Trainingsarbeit über die gesamte Saison Eckpfeiler der Vorbereitung. Seit Januar trainierte der Jahrgang 1997/98 zweimal in der Woche, mit dem Ende der Saison Ende März erhöht sich die Schlagzahl mit drei Einheiten erneut.

Das SG RheinHessen Team beim Wiener Osterturnier

Das SG RheinHessen Team beim Wiener Osterturnier

Zur Einstimmung auf die nun folgenden gemeinsamen und sicher auch oft sehr harten Trainingswochen bis zum neuerlichen Quali-Turnier nimmt das das Team am größten europäischen Jugendturnier in Wien teil. Dass 10-Stunden Busfahrt, Übernachten in engen Klassenräumen, „Großstadt-Ernährung“ und nicht immer ganz einfache Rahmen-bedingungen eines solchen Großevents zusammenschweißen, zeigt das Team in der Vorrunde und gewinnt diese durch Siege gegen Teams aus Bayreuth, Muggia (Italien), Perla (Albanien) und Berlin. In den Playoffs war dann leider gegen den späteren Turniersieger Vallbeluna Endstation, aber mit den Erlebnissen und Erkenntnissen der Woche konnte niemand unzufrieden sein.

Nach wenigen Tagen Entspannen rund um Ostern begann nun das Vollprogramm zur Vorbereitung auf die JBBL-Qualifikation. Drei Trainingseinheiten pro Woche sowie Zusatzeinheiten an den Wochenenden, Teilnahme an Turnieren, aber auch weitere Teamevents standen nach der Schule auf dem Plan. In der ersten Woche nach den Osterferien fand zudem während der Trainings das JBBL Try-Out 2012 statt. Viele junge Talente wurden gesichtet, am Ende legten sich die Coaches auf 17 Spieler fest.

Der Qualifikationstermin rückte näher und damit auch die Frage, gegen welche Teams man sich würde messen müssen und wo findet das Turnier statt. Nachdem man im Vorjahr noch in eigener Halle antreten durfte, ging es diesmal nach Düsseldorf. Gegner waren die gastgebenden Düsseldorf Giants, TSV Hagen Rookies und das Team Saarland.
Keinem dieser Teams war man zuvor begegnet, ein Check der Ergebnisse der abgelaufenen Saison brachte ebenso wenig Information, wie die spärlichen Berichte auf den jeweiligen Homepages, zumal auch bei den Mitbewerbern der 1996er Jahrgang abgewandert war.

Letzte Testspiele (u.a. gegen Eintracht Frankfurt und den 1 FC Kaiserlautern) wurden sehr erfolgreich bestritten und das dabei praktizierte Spielsystem sollte auch im Qualifikationsturnier zum Einsatz kommen. Dennoch blieb die Ungewissheit und plötzlich waren sie wieder da, die Bilder vom unglücklichen „AUS“ im Vorjahr, doch die galt es zu verdrängen.

Atakan und Max verteidigen in voller Konzentration

So machte sich ein hoffnungsfroher Tross aus Spielern, Trainer und Eltern auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen. Einchecken in der Unterkunft, ein gemeinsames Mittagessen, dann in die Turnierhalle, um die Rahmenbedingungen und die Gegner zu checken. Das erste Spiel des Turniers bestritten Düsseldorf und Hagen, die Gegner für den zweiten Turniertag am Sonntag. Da es sich um ein typisches Eröffnungsspiel mit extrem nervösen Akteuren handelte, konnte man das wirkliche Potential kaum ablesen (Endstand 49:64). Also lieber aufs eigene Spiel gegen das Team Saarland konzentriert. Nach ebenso nervösem Beginn fing sich die Rheinhes-sische Equipe und man begann die zuvor einstudierten Setplays von Minute zu Minute besser umzusetzen und dabei den Gegner teilweise in der eigenen Hälfte unter Druck zu setzen. Höhepunkt sicher der 18:0 Lauf Mitte des 2. Viertels. Am Ende stand ein ungefährdetes 83:40 auf der Anzeigentafel, der erste Meilenstein war erreicht. Coach Simon musste den Jubel bremsen, denn noch war nichts entschieden, also lieber nudeltechnisch stärken und ab in die Unterkunft. Im zweiten Spiel am Sonntag waren die Gastgeber der erste Gegner und man merkte sofort, dass sich diese nach der Auftaktniederlage des Vortags einiges vorgenommen hatten. Ein lautstarkes Publikum im Rücken beflügelte die Düsseldorfer und so musste unser Team sich insbesondere im ersten Drittel mühen, um den Angriffswirbel zu stoppen. Ab dem zweiten Viertel drehten dann die SG-Jungs aber auf und den Spieß um, spielten erneut in wenigen Minuten einen komfortablen Vorsprung heraus, der auch zunehmend den Gegner demotivierte. Als bei der Schlusssirene ein 84:44 auf der Anzeige abzulesen war, wurde Spielern, Eltern und Trainer so ganz langsam bewusst, das aufgrund des vorherigen Sieges der Hagener gegen das Team Saarland) mindestens Platz 2 erreicht und damit die Qualifikation geschafft war.

Jubel nach erreichter JBBL Qualifikation

Jubel nach erreichter JBBL Qualifikation

Aber das Team hatte noch nicht genug, es war noch so viel Adrenalin übrig, dass auch das dritte Spiel gegen die bis dahin ebenso ungeschlagenen Hagener erfolgreich gestaltet werden konnte. Bei diesem Spiel konnten auch die Spieler zum Einsatz kommen, die in den vorherigen Spielen pausieren mussten und das Beeindruckende daran war, man sah kaum einen Unterschied. Mit stehenden Ovationen der Bank und der eigenen Zuschauer wurden die letzten Sekunden zum finalen 78:49 Sieg herunter gezählt, der Rest war grenzenloser Jubel, sich entladende Anspannung und ein Sieges-Humba in Düsseldorf.

Im dritten Anlauf geschafft, die SG RheinHessen ist in der JBBL.
Jungs (und Coaches), es war einfach „der Hammer“ dabei zu sein….

Zum Abschluss bleibt der kurze Ausblick auf die am 21.10.2012 startende Saison. Die Coaches sind zuversichtlich, dass sich die SG RheinHessen auch in der überaus stark besetzten JBBL-Gruppe Mitte/West (gegen die Spitzenteams von Eintracht Frankfurt, TBB Trier, TV Langen, Gießen 46ers und Hanau White Wings) teuer verkaufen wird. Hierfür wurde in den Ferien die Fitness aufrecht gehalten und die Vorbereitung läuft bereits seit Mitte August wieder auf Hochtouren.

Vorbeischauen lohnt also auf alle Fälle, Sonntag, 21.10.2012, 13 Uhr Camp Lindsey Wiesbaden zum Auftaktmatch gegen Eintracht Frankfurt.